Viele Sternis sind am 8. November 2005 von uns gegangen
Mit großer Trauer und einem großen Schock haben wir am 16. November 2005 erfahren, dass Sternis sich vor lauter Verzweiflung in ihrer eigenen Wohnung mit Tabletten umgebracht haben. Kurz vorher rief uns der Sozialpsychiatrische Dienst an und fragte, wann wir Sternis zum letzten Mal gesehen haben. Wir sagten vor zwei Wochen, und als wir dann nach Hause kamen, stand zuerst die Polizei vor der Tür und kurz darauf der Leichenwagen, so das wir völlig unter Schock standen, da wir im gleichen Haus wohnen und dadurch alles mitbekommen haben. Einen Tag später erfuhren wir aber erst, das der Leichenwagen für Sternis war, woraufhin wir mit unserer Hündin heulend auf die Straße sind und es gar nicht mehr geschafft haben, in unsere Wohnung zu gehen.

Wir kannten Sternis seit 1999 und haben uns im Zentralkrankenhaus Bremen-Ost kennengelernt. Dort lagen wir 5 Monate im gleichen Zimmer und haben uns angefreundet, sind dort schon durch dick und dünn gegangen. Wir „beide” haben uns nicht erzählt, das wir Viele sind, wobei Sternis uns hinterher erzählt haben, das sie das bei uns schon im Krankenhaus gemerkt haben, und wir haben es bei denen gemerkt, da öfter mal Kiddies mit ihren Plüschtieren am Spielen waren, ab und zu gab es auch eine Nuckelflasche für die Kiddies, was wir aber nicht den Krankenschwestern erzählt hatten. Ach ja – die Schnuller zum Einschlafen liebten Sternis noch über Alles und schenkten uns dann auch einen.

Wir waren damals aufgrund von Suizidalität da, haben dann aber noch die Kurve bekommen, und dann sind wir durch Zufall kurze Zeit später im selben Haus eingezogen, in dem Sternis schon wohnten. Das war natürlich ein guter Zufall. Auch unsere Entlassung war fast zeitgleich.

Ab da an machten wir fast alles zusammen. Wir trafen uns jeden Tag – mal länger, mal kürzer. Am Anfang trauten sich noch nicht so die einzelnen Personen zum Vorschein, aber nach und nach wuchs das Vertrauen, so das sich immer mehr Personen kennenlernten und auch vieles gemeinsam gemacht haben.

Vom Teetrinken, Kaffeetrinken, Spaziergängen, Spielen, Einkaufen, Grießbrei kochen, Milchreis machen, Kakao für die Nuckelflasche, unseren Kater kraulen, mit Yomi – unserer Hündin spazierengehen, schaukeln, auf Spielplätze gehen, Wohnungen umräumen und Möbelrücken, gemeinsam in Krisen zum Sozialpsychiatrischen Dienst bringen, ins Krankenhaus bringen, zum Nähen nach Selbstverletzung begleiten – all das haben wir gemeinsam gemacht – und das 5 Jahre lang täglich! Auch waren wir ein paar Mal gemeinsam im Viele-Treff, der leider nicht mehr ist. Hatten „Beide” über ein Jahr lang ambulante Therapie bei Frau F., die aber auch nicht mehr ist.

Auch Briefkontakte hatten wir zwischen den Personen, haben viel Freude, aber auch viel Leid miteinander erlebt.

Leider ist der persönliche Kontakt im letzten Jahr aufgrund mehrerer Umstände abgebrochen, da Sternis Probleme hatten, mit uns umzugehen, was sie uns auch direkt sagten. Hintergrund war eine Schulter-OP von uns am 11. November 2004, wo wir hinterher einen Spielenachmittag organisiert hatten, um uns was Gutes zu tun. Sternis gingen nach 10 Minuten und sagten hinterher, sie könnten nicht damit umgehen, wie konstruktiv wir trotz Schulter-OP mit der Situation umgehen. Wir müssen dazu sagen, das wir eher zu Überaktivität neigen, während Sternis lieber den halben Tag im Bett verbrachten.

Wir sind dann noch eine Weile mit Yomi spazieren gegangen, und als dieses auch nciht mehr ging, haben wir uns Briefe geschrieben, um zu hören, wie es den Anderen geht.

Wir waren sehr traurig über diese Situation, mußten aber auch die Entscheidung von Sternis akzeptieren, so das wir ihnen dann einen Brief in den Briefkasten gelegt haben, wo drinstand, das wir uns über eine Meldung von Ihnen sehr freuen würden, und das sie sich jederzeit melden können, wenn sie Hilfe brauchen – per Handy, Klingel, Brief…..

Leider bekamen wir den letzten Brief im Februar diesen Jahres, ab da an haben sie sich komplett von uns distanziert.

Zwei Wochen vor ihrem Tod haben wir Sternis gesehen, und sie sagten, das sie die Therapie bei Frau F. beendet haben, bzw. Frau F. die Therapie bei ihnen. Sie sagten, sie hätten noch Frau H. , ihre Psychiaterin und gingen dann in ihre Wohnung.

Sehr auffällig war bei der letzten Begegnung, dass Sternis nichts von Suizidgedanken erwähnt haben, was sie ansonsten sehr häufig taten – mit dem Satz „ Der Zug ist abgefahren”, „wir bringen uns um”, „das Leben bringt so eh nichts mehr”. Auch gab es schon vorher sehr viele Suizidversuche von Sternis, die sie überlebt haben.

Am 8. November war bei Sternis endgültig „der Akku leer”, so dass sie sich umgebracht haben und wohl eine Woche lang tot in ihrer Wohnung lagen.

Bei der Trauerfeier haben wir von vielen Leuten erfahren, dass Sternis sich seit dem letzten Jahr nicht mehr bei ihnen gemeldet haben. Das hat uns schon sehr schockiert, das das Leute waren, mit denen Sternis teilweise seit acht Jahren Kontakt hatten.

Wir haben den Eindruck, dass Sternis nicht mehr konnten, und auch, dass sie uns in gewisser Weise schützen wollten, so das sie sich von uns schon vorher distanziert haben. Leider gab es für Keinen mehr die Möglichkeit, sie von ihrem Suizid abzuhalten, was uns so traurig und auch wütend macht – wegen der Täter.

Die Trauerfeier war sehr schön gemacht, und die Pastorin hielt eine sehr schöne Trauerrede, wo wir eine richtige Gänsehaut bekamen, da sie von den Sternenkindern erzählte, und wir Sternis einen Plüschstern mitgebracht hatten, der zwischen den Blumen lag.

Am 13. Dezember war die Urnenbeisetzung von Sternis, wir legten ihnen den gleichen Plüschstern mit ins Grab und hoffen, dass Sternis gut bei den Sternen angekommen sind und keine Schmerzen und kein Leid mehr ertragen müssen.

So makaber es auch klingt, aber wir glauben, Sternis haben nun endlich ihren Frieden, den sie sich immer gewünscht haben.

„Nur” macht es uns so verdammt wütend, das die Täter frei in der Gegend herumlaufen, und es die Falschen trifft, die sich dann vor lauter Verzweiflung nach einem langen Leidensweg umbringen.

Wir wünschen Sternis von ganzem, ganzem Herzen alles erdenkliche Gute bei den Sternen……………………………………………

In uns ist ein so großes Loch, das wir nie wieder werden füllen können. Es bleibt so viel Sprachlosigkeit, und wir stehen ziemlich unter Schock.

Unsere Personen müssen erst einmal begreifen, das sie Sternis nie wieder körperlich sehen werden, aber Ihre Seele wird bei uns sein und all die Erinnerungen und Begegnunegn, die wir mit ihnen hatten.

In Liebe für Sternis geschrieben von Delfinas ( am 15. Dezember 2005 )


Liebe Sternis,

Leider könnt ihr diese Seite nicht mehr lesen. Aber wir hoffen doch, daß ihr irgendwo seid und uns hören könnt. Wir können gar nicht in Worte fassen, was wir empfinden. Trauer. Schmerz. Verlust. Denn ihr seid nicht mehr da. Mit eurem Körper sind auch so viele liebenswerte Persönlichkeiten gegangen. Wie können wir euch sagen, wie sehr ihr uns fehlt? Jede/r einzelne von euch und alle zusammen? Ihr habt eine riesige Lücke in unserem Leben hinterlassen, die nicht mehr zu füllen ist.

Wißt ihr noch, wie wir euch kennengelernt haben? Es muß so im April 2002 gewesen sein, als uns zum ersten Mal die Stimmen in unserem Kopf richtig bewußt geworden sind und wir vermuteten, in unseren Körper könnte mehr als eine Person sein. Wir machten uns also auf die Suche im Internet und fanden ein Multi-Forum, das es heute nicht mehr gibt. Wir nahmen unseren ganzen Mut zusammen und setzten einen Beitrag hinein, der so hieß wie das Motto dieser Homepage – „bin ich alleine?” und wir bekamen eine Antwort. Eure Teeny hat uns die erste Mail geschrieben und uns gesagt, daß ihr euch so ähnlich fühlt wie wir. Sie schrieb von eurer damaligen Psychotante, die euch diagnosemäßig in die „Borderline” Schublade gesteckt hatte. Und sie erzählte von quengeligen Innenkiddies im Kaufhaus. Oh, kam uns das bekannt vor. Und von eurer Vorliebe für Plüschtiere. Ja, die lieben wir auch. Euer und unserer Plüschtierbesitz vermehrte sich ständig, so daß im Bett kaum noch Platz war.

Irgendwie mochten wir euch von Anfang an. Denn man kann auch Leute mögen, die man noch gar nicht persönlich kennt. Auch E-Mails können einem sympathisch sein. Und so mußte unser E-Mail-Täubchen in den folgenden Monaten Überstunden machen. Wir tauschten Hunderte von Mails aus. Wir haben sie immer noch in unserer Mailbox, und löschen werden wir sie bestimmt nie, diese teils witzigen, teils auch traurigen Nachrichten von euch. Auch eure vielen Briefe haben wir in einer dicken Mappe, mit euren Fotos. Briefe mit vielen verschiedenen Handschriften. Teeny, 13 Jahre alt, war die erste, die uns schrieb. Und dann meldete sich die kleine Madeline zu Wort. Sie liebte ihre Plüschmaus Speedy, die Sendung mit der Maus und Pfefferminzeis.

Nach und nach lernten wir viele von euch in Mails und Briefen kennen. Und es gab vielen dicke Umschlägen und Päckchen mit kleinen Geschenken. Plüschtieren, Büchern, Mainzelmännchen. Für Große und Kleine. Wir bekamen eine Schwester eurer Therapiemaus, auch „Bibermaus” genannt, weil sie so einen lustigen Backenbart hat. Eine Therapiemaus kann einen trösten, wenn man traurig ist. Wir haben unsere Therapiemaus in letzter Zeit sehr oft gebraucht.

Wißt ihr noch, als wir dann schließlich Telefonnummern ausgetauscht haben? Erstmal sind wir eine halbe Stunde lang ums Telefon geschlichen, Vorwahl gewählt, wieder aufgelegt. Wir können doch nicht einfach einen Menschen anrufen, den wir gar nicht kennen. Dann nahm Franzi die Sache in die Hand und wählte die Nummer zu Ende, und so hörten wir zum ersten Mal eure Stimme – jedenfalls eine davon. Denn jede Person von euch hatte irgendwie auch eine etwas andere Stimme, nach und nach lernten wir, euch zu unterscheiden. Wir haben viele Abende stundenlang telefoniert. Es waren Gespräche zum Lachen, zum Abrollen, aber manchmal auch sehr traurige Gespräche.

Wir erfuhren von eurer Kindheit. Schon als Baby ins Heim gesteckt und dann nach „Hause”– geholt zu etwas viel Schlimmerem, als ein Heim es je hätte sein können. Verprügelt, verdroschen. Wir haben die Bilder eines kleinen Kindes gesehen mit Schwellungen und blauen Flecken im Gesicht. Wir haben die Unterlagen vom Krankenhaus gesehen – eingeliefert mit einem Beinbruch, den ihr euch angeblich selbst zugezogen habt, weil ihr mit dem Bein im Gitterbett stecken geblieben seid. Keiner hat es gemerkt oder hingehört. Kein Schwein hat’s interessiert.

Als ob das nicht schon schrecklich genug gewesen wäre für ein kleines Kind, wurdet ihr dann von der lieben Erzeugerin zu deren entzückenden Eltern gegeben, von euch und uns immer die „Gruselalten” genannt. Ich könnte kotzen, wenn ich daran denke. Dicken Benz fahren und Pelzmantel tragen, aber die Lütte darf aus dem Wasserhahn trinken, weil Limo ja zu teuer ist. Und das Kind muß ja dankbar sein, daß es bei so guten Bürgern leben darf. Klein gehalten, runtergemacht, psychisch unter Druck gesetzt, bis einige von euch sich wie der letzte Dreck vorkamen. Nein, ihr Lieben, ihr seid niemals der letzte Dreck gewesen. Das waren die Alten, die euch noch nicht mal das Schwarze unterm Fingernagel gegönnt haben. Die euch schikaniert, mißbraucht und für die perversesten Zwecke benutzt haben. So benutzt und programmiert, daß das Leben für manche von euch – die, die sich erinnerten – zur Hölle wurde. So sehr, daß es ein Mensch alleine nicht aushielt, und so entstanden mit der Zeit viele Personen. Jede mit ihrem eigenen Charakter, ihren eigenen Erinnerungen.

Ihr konntet noch nicht mal euer Abitur zu Ende machen, da kamen die ersten Erinnerungen zu Tage, und dann kam der totale Absturz. Jugendpsychiatrie statt Abitur und Studium. Eine zerstörte Existenz statt einer beruflichen Karriere. Selbstverletzung statt Selbstverwirklichung. Und euer Weg durch die Mühlen des Gesundheitssystems begann.

Ihr habt immer Hilfe gesucht, wo es ging. Psychotherapie, stationäre Aufenthalte in der Psychiatrie, Tageskliniken, Angebote des psychosozialen Dienstes. Aber nirgendwo habt ihr wirklich Hilfe gefunden. Und kaum jemals Verständnis dafür, was es bedeutet, viele zu sein. Aber ihr hattet Menschen, die euch mochten. Wir Centauri zum Beispiel, eure Freundinnen und euer Freund. Wir alle mochten euch so, wie ihr gewesen seid. Vielfältig. Wir mochten eure vielen Persönlichkeiten, jede von ihnen auf eigene Art. Große, Kleine, männlich, weiblich – sie alle waren unsere Freunde.

Im letzten Jahr schließlich haben wir es dann endlich geschafft, euch persönlich kennenzulernen. Wir haben euch besucht, als wir Urlaub hatten, und ihr habt uns vom Zug abgeholt. Als wir euch am Bahnhof gesehen haben, mußten wir euch einfach knuddeln. Das tun wir sonst nie. Wißt ihr noch, wie viel Spaß wir bei unserem Besuch hatten? Ihr habt uns die Stadt gezeigt, wir sind in Kaufhäuser gegangen und haben uns stundenlang in der Spielzeugabteilung aufgehalten und Plüschtiere bewundert, die wir am liebsten alle gekauft hätten. Wir haben Madeline endlich ihr lange versprochenes Pfeffermizeis spendiert. Wir haben bei Subway Stunden damit verbracht, über den Belag unserer Baguettes zu diskutieren. Ja, so viele Personen mit verschiedenem Geschmack unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach. Wir haben uns den alten Film „Krieg der Welten” angeschaut und uns darüber abgerollt. Und dann haben wir eurem Plüschbiber Angst gemacht und ihm erzählt, jetzt kämen die Marsbiber und würden die Erde erobern, nachdem sie auf dem Mars alle Bäume kahlgefressen hätten. Seitdem hatte euer Biberchen leider eine kleine Angstneurose!!! Die Story mit den Marsbibern wurde zum Gesprächsstoff in vielen Telefonaten und immer neuen Varianten. Ihr habt euch auch mit unserer Plüschspinne Hairy angefreundet, obwohl ihr eigentlich gar keine Spinnen mochtet. Hairy mochte total gerne von euch gekrabbelt werden und vermißt das sehr. Er ist auch sehr traurig, daß wir euch nun nicht mehr besuchen können.

Wir hatten so eine schöne Zeit bei unseren Besuchen. Die Kinder haben echt prima zusammen gespielt und die DVDs von der Sendung mit der Maus geguckt. Wir waren alle zusammen im Spielzeugmuseum und haben uns altes Spielzeug, Plüschtiere, Teddys und tausend andere schöne Sachen angesehen. Wir waren im Bärenhaus, wo es die tollsten alten und neuen Teddys gibt und wo man nie rauskommt, ohne wieder einen Neuzugang zur Plüschtiersammlung erworben zu haben. Das einzige, was schade war, war, daß wir so weit von euch weg wohnten. Wir hätten euch soooo gerne häufiger gesehen.

Wir haben auch weiterhin immer abends telefoniert. Egal, ob es was Lustiges, was Ärgerliches oder was Trauriges zu besprechen gab. Wir konnten über alles reden. Egal, ob wir uns in der Firma geärgert hatten – wir konnten es euch erzählen. Und ihr konntet uns erzählen, was euch bedrückt hat. Wir hatten einfach einen Menschen, der uns zugehört hat. Und wir haben euch zugehört.

Dann kam der Abend, als ihr uns erzählt habt, daß eure Therapie beendet sei. Eine Therapie, die euch durch wirklich tiefe Abgründe geführt hat, bei der Dinge zum Vorschein kamen, wie man sie sich schrecklicher nicht vorstellen kann. Dinge, die ihr erlebt habt. Und da habt ihr gerade mitten drin gehangen. Dann war die von der Kasse bewilligte Stundenzahl um, und die Therapeutin riet von einer Verlängerung ab, da es ihrer Meinung nach keine Fortschritte gab. Und dann standet ihr im Regen, mitten in der Hölle der Erinnerungen, ohne professionelle Hilfe. Manche von euch fanden es gut, daß die Therapie beendet wurde, manche fühlten sich abgeschoben, im Stich gelassen, aufs Abstellgleis deponiert. Wir haben versucht, euch Mut zu machen. Versucht, Tips zu geben, was ihr machen könntet. An diesem Abend haben wir auch nicht nur über dieses Thema gesprochen, sondern auch über lustige Dinge. Wir haben auch gelacht. Wie hätten wir ahnen sollen, daß das unser letztes Telefonat sein würde?

In dieser Nacht hatten wir einen komischen Traum. Wir sind mit euch in der S-Bahn gefahren und wollten zu einem bestimmten Geschäft. An der Haltestelle sind wir ausgestiegen und haben uns zu euch umgedreht, um euch etwas zu sagen, aber ihr seid auf einmal verschwunden gewesen. Wir haben euch überall gesucht, sind zu Fuß durch die ganze Stadt gelaufen und kamen schließlich an eine Art Trümmergrundstück, das sah aus, als ob da eine Bombe explodiert oder ein Haus abgerissen worden wäre, überall lagen Trümmer und Bruchstücke rum, und wir kletterten da über die Steine und Betonbrocken und suchten nach euch. Aber wir haben euch nicht gefunden.

Als wir zwei Tage später bei euch anrufen wollten, ging nur die Mailbox ran. Da haben wir uns nichts gedacht. Manchmal mag man ja auch mal früh schlafen gehen. Wir hinterließen also eine Nachricht und versuchten es am nächsten Abend wieder. Wieder nur Mailbox. Wir schickten SMS – keine Antwort. Das kannten wir von euch nicht, da ihr immer zuverlässig gewesen seid. Eine ganze Woche lang versuchten wir immer wieder anzurufen und hatten nur die Mailbox dran. Wir hatten mittlerweile richtig Angst, daß euch was passiert sein könnte. Wir haben also die psychiatrischen Kliniken angerufen, von denen wir wußten, daß ihr da schon mal gewesen seid. Aber dort wart ihr nirgendwo. Wir wollten dann bei der Polizei anrufen, weil wir uns nicht mehr zu helfen wußten. Und dann gingen wir in ein Internetforum, wo ihr früher auch gewesen seid. Dort gibt es ein Unterforum „ihr seid nicht vergessen…” und da lasen wir ihn. Euren Nachruf, geschrieben von einer Freundin. Was wir befürchtet hatten, war Gewißheit geworden. Unsere Sternifreunde hatten diese Welt verlassen, weil sie ihr Leben mit diesen Erinnerungen nicht mehr ertragen konnten.

Liebe Sternis, wir hoffen alle, daß ihr da, wo ihr jetzt seid, endlich glücklich sein könnt. Wir wünschen es euch von ganzem Herzen, und wir glauben auch, daß wir uns eines Tages wieder treffen werden. Ob es in einer anderen Welt oder in einem anderen Körper geschieht – wer weiß das schon. Aber daß es sein wird, glauben wir ganz fest.

Wir und alle anderen Menschen, die euch gerne haben, werden euch nicht vergessen. Und wir vermissen euch ganz schrecklich – alle von euch. Und wenn wir zum Himmel heraufsehen – seid ihr vielen Sternis jetzt da oben zwischen den vielen Sternen? Wir wünschen es euch. Von ganzem Herzen.

Alles Liebe und wir schicken viele Knuddels dahin, wo ihr jetzt gerade sein mögt.

Eure Centauri

Noch eines zum Schluß: Wir können es nicht ertragen, daß ihr nun nicht mehr da seid und daß die Täter immer noch fröhlich durchs Leben marschieren. Das soll nicht sein. Nicht, wenn wir etwas dagegen tun können. Wir haben sie angezeigt. Und wenn die deutsche Justiz vielleicht auch nichts gegen sie unternehmen kann – wir sind sicher, daß es eine höhere Justiz gibt, der sie nicht entgehen können. Ihnen wird der Weg ins Licht verwehrt werden. Davon sind wir überzeugt.