(von frottee)

Die Fahrt mit dem Zug war trostlos. Gelangweilt betrachtete ich wie die Landschaft am Abteilfenster vorbeizog.

Ich hatte keinen Blick für die Wiesen und die Bäume, deren Blätter sich sanft mit dem Wind bewegten. Es hatte kurz zuvor geregnet, aber der Blick zu den Wolken verriet, das es nicht mehr lange dauert bis die Sonne hervorkommt und mit ihren Strahlen die Ebene in ein helles Licht tauchen würde, welches die Regentropfen zum funkeln bringt und den Anschein erweckt die Wiese wäre mit Diamanten übersät.

Ich hatte nur Gedanken an meinen Computer, der heute morgen beschloss kaputt zu gehen.

Gerade als ich versuchte meinen Kumpel im Internet zu erreichen.

Er hatte schon zwei Tage nichts mehr von sich hören lassen.

Gelangweilt steckte ich mir eine Zigarette an und beobachtete meine Mitreisenden.

Viele waren in Gesellschaft und unterhielten sich angeregt und vereinzelt drang Gelächter zu mir herüber. Ich begann mich unbehaglich zu fühlen konnte mir aber nicht erklären weshalb.

Verärgert zog ich die Verdunklung am Fenster herunter, da mich die Sonne blendete, die inzwischen aus den Wolken hervorgekommen war.

Kurz darauf hielt der Zug an und das mir so vertraute Spiel begann von neuem. Reisende stiegen aus und Reisende stiegen ein.

Ich musste unweigerlich an meinen Freund denken. Was er jetzt wohl gerade tat? War er am Ende vielleicht auch gerade unterwegs?

Wir waren schon seit zwei Jahren befreundet. Gesehen hatten wir uns nie.

Kennengelernt hatten wir uns über’s Internet. Wir haben die gleichen Interessen und sind beide totale Computerfreaks. Es war fast so, als hätten wir uns gesucht und gefunden.

Wir kommunizierten täglich und unter zwei Stunden lief da gar nichts.

Wir erledigten Einkäufe über’s Internet, tauschten Erfahrungen aus und waren gerade dabei einen Computerfanclub auf die Beine zu stellen.

Das ist eine wirklich aufregende Sache. Da kann einem dann schon etwas mulmig werden wenn man dann zwei Tage nichts mehr von einander hört.

Mit Unbehagen stellte ich mir vor er wolle jetzt mit mir in Verbindung treten und kann es nicht, weil mein Computer kaputt ist. Ich werde mir wohl doch noch einen zweiten zulegen, damit ich einen Ersatz habe.

Der Zug setzte sich wieder in Bewegung und ich bekam Gesellschaft. Er war wesentlich älter als ich, versuchte aber durch sein Äußeres jünger zu wirken.

Er trug eine Stoppelfrisur und einen Ring im rechten Ohr.

Seine Fingernägel waren schwarz und ungepflegt und von seinen Schuhen möchte ich erst gar nicht reden.

Na ja, die Schuhe hätte man ja noch aufs Wetter schieben können, aber seine Jeans?

Mit einem Wort, der Mann war mir zutiefst unsymphatisch.

Da ich kein Interesse an einem Gespräch hatte, steckte ich mir eine Zigarette an und schaute aus dem Fenster, was ihn aber nicht daran hinderte mir seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Ich hätte eben seinen Gruß nicht erwidern sollen.

Ab und an nickte ich ihm zu, ohne allerdings zu wissen wovon er gerade erzählte.

Glücklicherweise dauerte es nicht mehr lange bis ich mein Ziel erreichte und machte mich zum Aussteigen fertig. Ich murmelte noch ein hastiges Tschüß und verlies das Abteil.

Auf dem Bahnsteig holte ich erst einmal tief Luft und ging meiner Wege.

Ein paar Tage später war mein geliebter Computer endlich fertig.

Natürlich versuchte ich zu allererst meinen Freund im Internet zu erreichen, was auch gleich klappte. Ich war sehr erleichtert zu hören das es ihm gut ginge.

Dann erzählte ich ihm von der Knalltüte im Zug. Natürlich schmückte ich die Geschichte noch etwas aus.

Als ich wissen wollte was er davon hielt, antwortete er nach einer kleinen Pause: „Dann warst du also der arrogante Idiot im Zug.“

Es war das letzte Mal das ich etwas von ihm hörte und ich war lange Zeit sehr allein.