Der PTBS-Assistenzhund
Der PTBS-Assistenzhund wird speziell auf die Bedürfnisse seines Assistenznehmers hin ausgebildet. Er soll aktiv das Leben mit PTBS erleichtern und so dem Assistenznehmer wieder mehr Lebensqualität schenken. Er kann Sicherheit sowohl in als auch außerhalb der Wohnung vermitteln, beim nach Hause kommen die Wohnung auf Eindringlinge überprüfen, oder wenn man draußen mit dem Rücken zu anderen Menschen steht (z.B. am Geldautomaten oder an der Haustür etc.) seinen Menschen nach hinten hin absichern. Er kann lernen aus Albträumen aufzuwecken und sogar das Licht anzumachen, die Notfalltasche zu holen oder das Handy, um Hilfe zu rufen. Auch lernt der Assistenzhund, seinen Menschen bei Panikattacken zu erreichen, ihn gegebenenfalls zu einem Ausgang zu führen oder an den Rand von Menschenmengen. Er kann lernen Dissoziationen und Flashbacks zu erkennen und zu unterbrechen und kann tröstend auf seinen Menschen wirken. Und er ist bei einem, immer und zu jeder Stunde, ob Tag oder Nacht und freut sich darüber. Ein guter PTBS-Assistenzhund ist genau auf die Bedürfnisse seines Menschen ausgebildet und nicht allgemein auf ganz bestimmte Assistenzleistungen, weil jede PTBS und DIS sich unterscheidet und so ganz unterschiedliche Bedürfnisse vorliegen.
Man kann schon fertig ausgebildete PTBS-Assistenzhunde bekommen, oder man entscheidet sich für einen Welpen, den man dann mit Unterstützung eines PTBS-Assistenzhundetrainers selbst ausbildet. Finanziert wird die Ausbildung des Hundes oft über Spenden, Stiftungen oder den Fond Sexueller Missbrauch. Wichtig ist, dass man vor der Anschaffung eines Hundes bedenken sollte, dass der Lebensunterhalt, die Versicherung, die Steuer und auch die Gesundheit des Tieres Geld kosten. Diese Kosten müssen meist selber getragen werden.
Auch muss man sich vor der Anschaffung überlegen, ob man es aushalten kann, wenn man plötzlich 24 Stunden am Tag jemanden um sich hat, der natürlich auch Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht. Der Hund ist dann wirklich Tag und Nacht bei einem und wenn man sich für einen Welpen entscheidet, kann man die ersten Wochen nicht mal kurt alleine das Haus oder die Wohnung verlassen, weil das kleine Tierchen das erst noch lernen muss. Ebenfalls sollte man jemanden haben, der den Hund im Notfall kurzfristig übernehmen und versorgen kann, wenn z-B eine akute Krise einen Klinikaufenthalt nötig macht. Oder auch wenn man einfach mal einen Tag eine Auszeit braucht.
Wir müssen uns entscheiden, welche Assistenzleistungen sie später einmal lernen soll. Es heißt so 5 bis 8 solcher Leistungen kann ein Assistenzhund gut lernen und beherrschen. Mögliche Leistungen wären:
- Covern (das absichern nach hinten und auch nach vorne)
- Distanz schaffen (z.B. durch uns anspringen, wenn uns jemand zu nahe kommt oder einfach sich dazwischen stellen)
- Notfalltasche holen
- Wasser holen (um z.B. regelmäßiges trinken zu gewährleisten oder um Notfallmedikamente zu nehmen, wenn man sch nicht bewegen kann
- An regelmäßige einnahme von Medikamenten erinnern
- Aus Albträümen wecken
- Licht anschalten
- Dissoziationen oder Flashbacks unterbrechen
- Handy bringen
- Nach Hause bringen
- Aus Menschenmengen führen
- An einen sicheren Ort bringen
- Beruhigen und trösten
- Bewachen
- Beschützen
- Selbstverletzendes Verhalten unterbrechen
- Die Realität prüfen (z.B. ob sich jemand in der Wohnung befindet)
- …
Ein Assistenzhund darf rein rechtlich gesehen überall mit hin, auch in Krankenhäuser oder in Lebensmittelgeschäfte. Das Problem liegt darin, dass es für den PTBS-Assistenzhund noch keine rechtlich bindenden Standarts gibt (anders als bei den Blindenführhunden). Im prinzip darf jeder Hundetrainer von sich behaupten PTBS-Assistenzhundausbilder zu sein. Daher ist es oft schwer, einen wirklich guten Trainer zu finden. Und es ist schwer den Menschen zu vermitteln, warum ausgerechnet mein Hund mit in ein Krankenhaus oder ein Lebensmittelgeschäft kommen darf. Wichtig ist hier, immer vorher mit den Verantwortlichen zu sprechen und zu belegen, dass der Hund ein echter ausgeblideter Assistenzhund ist oder sich in Ausbildung befindet.
Uns begleitet unset Hund überall mit hin, zu Ärzten und zu Therapeuten. Ausser in Lebensmittelgeschäfte, da muss sie noch draußen bleiben, weil sie noch nicht in Ausbildung ist. Doch mit unseren Ärzten konnten wir sprechen. Es war keiner dabei, der es untersagt hat.
Wir haben unsere Akira jetzt seit 4 ½ Monaten. Wenn sie 8 Monate alt ist soll sie mit ihrer Assistenzausbildung beginnen. Doch sie macht jetzt schon vieles, was sie eigentlich erst lernen sollte. Sie unterbricht z.B. dissoziative Zustände, indem sie versucht Kontakt zu uns herzustellen. Dabei verssucht sie zuerst unsere Hand zu lecken. Wenn das nicht reicht, springt sie auf uns drauf, wenn wir sitzen auf unseren Schoß und wenn wir liegen legt sie sich auf uns drauf. Anschließend versucht sie uns zum Spielen zu animieren, damit wir abgelenkt sind. Sie begleitet uns immer, wenn wir das Haus verlassen und wenn wir Bus oder Bahn fahren setzt sie sich zwischen unsere Beine und schafft so Distanz zu anderen Fahrgästen. Wenn uns dennoch jemand zu nahe kommt, steht sie auf und stellt sich dazwischen. So schafft sie uns sogar in vollen Zügen etwas Spielraum. Sie meldet Besucher durch kurzes Bellen an, bevor die klingeln und steht immer vor uns, wenn wir dann die Tür aufmachen müssen. Sie gibt uns sehr viel Sicherheit, schon alleine weil sich niemand mehr unbemerkt nähern kann, aber auch weil sie schon jetzt unsere Grenzen Fremden gegenüber aufzeigt. Wir bewegen uns dadurch draußen viel freier und mit weniger Angst.
Schwierig war anfangs, dass sie ein sehr schöner, niedlicher Welpe war, der einen hohen Aufforderungscharakter hatte, sie anzufassen oder zu locken. Wir mussten uns zu Anfang oft dagegen wehren, dass sie nicht einfach von Fremden gestreichelt oder sogar gefüttert wurden. Und wir mussten lernen damit umzugehen, dass wir plötzlich von fremden Menschen aus heiterem Himmel angesprochen werden, weil sie und mitteilen wollen, was wir für einen schönen Hund haben… um sie dann zur Belohnung zu streicheln. Das war stressig und hat auch Angst gemacht. Mittlerweile haben wir eine Strategie entwickelt, wie wir uns diese Menschen vom Hals halten. Wir sagen einfach nur noch sehr Barsch „nicht anfassen“ und gehen weiter. Unsere Tochter meinte vor ein paar Wochen, das würde aber sehr unfreundlich rüberkommen. Doch wir haben gemerkt, dass wir nicht mehr bitten wollen, dass man unseren Hund nicht unaufgefordert streichelt, dass wir nicht darum bitten wollen, unsere Grenzen nicht zu verletzen. Wir setzen eine, und zwar klar und deutlich. Das haben wir durch sie gelernt. So hilft sie uns nicht nur durch ihre Anwesenheit, sondern sie hilft uns, uns weiterzuentwickeln…
Silan

Foto: Silan
Akira hält Körperkontakt nachdem sie einen Flashback unterbrochen und uns einiges an Spielzeug gebracht hatte….Hier war schon alles wieder gut.