Frei sein wollten auch wir, als wir uns für einen Ausstieg aus der Tätergruppe entschieden haben.

Für uns war der Ausstieg sehr anstrengend, da wir nicht wussten, dass zu dieser Zeit immer noch Innenpersonen Kontakt zu den Täter/innen hielten.

Dies wurde uns erst in der Therapie bewusst und erst durch dieses Wissen konnten wir lernen, mit diesen Innenpersonen Kontakt aufzunehmen. Dann war es sehr wichtig für uns, die täterhörigen Innenpersonen so zu akzeptieren, wie sie waren, denn auch sie hatten uns geholfen, zu überleben. Als wir sie so akzeptierten, wie sie waren, wurde das Leben mit ihnen leichter. Sie wurden neugierig auf das neue Leben. Und gemeinsam mit der Therapeutin konnten wir die Programmierungen löschen.

Aber glauben Sie ja nicht, meine Damen und Herren, dass dieser Weg einfach war! Denn diesem sehr starken und ständigen Druck nicht nachzugeben, wieder zu den Täter/innen zurückzugehen, was manche Innenpersonen wollten, war unsagbar schwer. Denn das Leben dort kannten wir. Das neue Leben fanden wir anstrengend, nicht fair und was wir wesentlich schlimmer fanden war, dass wir in diesem neuen Leben Gefühle – auch unangenehme, schmerzhafte Gefühle – die wir vorher so gut wie überhaupt nicht mehr hatten , plötzlich empfinden mussten.

Einen Ausstieg alleine zu schaffen, ist unmöglich für uns gewesen. Wir waren sehr froh über die Unterstützung, die wir von einigen wenigen Menschen, die uns an bestimmten Tagen im Jahr begleitet hatten und für uns da waren, bekamen. Auch unser Mann war immer für uns da und hielt immer zu uns, obwohl für ihn alles schwer zu verstehen war und er diese massive Gewalt einfach nur grausam fand. Unsere Therapeutin hielt ebenfalls immer zu uns und war für uns erreichbar, wenn wir sie brauchten am Tag.

Wichtig war für uns, dass wir alles hinter uns lassen konnten. Dazu gehörte auch, niemandem von unserer Herkunftsfamilie zu sagen, wie wir heute leben.

Ein Ausstieg kann nur gelingen, wenn man wirklich alles hinter sich lässt: Freunde, Familie und Wohnort, somit die ganze Vergangenheit. Auch wenn es uns noch so schwer gefallen ist, wir haben unseren Wohnort lange geheim gehalten. Auch darf man niemals vergessen, dass es unterschiedliche Arten von organisierten Täterkreisen gibt, die jeweils andere Sicherheitsvorkehrungen und ein anderes Vorgehen erfordern.

Das bedeutet, man beginnt ganz von vorne. Und nur so kann es funktionieren.

Heute ist es so, dass wir sehr stark in der Öffentlichkeit sind und durch unsere Website und Vereinsarbeit unsere Anschrift dort öffentlich steht. Weil wir überhaupt keine Angst mehr haben vor unserer Familie oder den Täter/Innen. Denn sie haben uns nach der Ausstrahlung unseres Filmes „Höllenleben“ nie wieder belästigt.

Zum Schluss möchten wir noch sagen, dass unserer Meinung nach das größte Problem die inneren täterhörigen Innenpersonen sind, weil sie so lange, wie sie auf der Seite der Täter/Innen sind, immer alle Informationen weiterleiten werden. Erst wenn man wirklich zusammenarbeitet, kann es gelingen, einen sicheren Ausstieg hinzubekommen – und endlich ein sicheres Leben zu leben.

Zusammenarbeit ist wichtig Innen – und Außen.