Film über Frau, die als Kind vergewaltigt und gefoltert wurde
EJZ 25.09.2002

St Platenlaase. Nicki, eine Frau um die Vierzig, hat nicht nur zwei Seelen ach in ihrer Brust, sondern viele. Sie wurde als Kind von ihrer Mutter und dem Stiefvater missbraucht und von ihnen als Ritualopfer an Satanisten verkauft. Nicki erzählt ihre Geschichte in Liz Wieskerstrauchs Film ,,Höllenleben” darin sucht und findet sie die Orte, wo nicht nur sie Unvorstellbares erlitt.

Das menschliche Gehirn ist eine seltsame Maschine. Es hat Nicki während der Vergewaltigung und Folterungen beschützt, indem es neue Persönlichkeiten erfand, die litten oder unversehrt blieben, sich auflehnten oder mitmachten. Dreißig Jahre danach, erinnern sich diese Persönlichkeiten an Orte, sie erleben die Schmerzen neu.

Der Film lief bereits im NDR, kürzlich wurde er vor übervollem Haus in Platenlaase gezeigt. Anschließend konnte wer wollte, mit Nicki, ihrer Therapeutin und der Filmemacherin reden. Nicki hat nicht nur überlebt, sie sagt, heute gehe es ihr sehr gut. Das liegt an ihrem ungeheuren Mut, mit dem sie sich aus der Sekte löste, eine Therapie begann und den Kampf um ihr Leben aufnahm. Sie hatte immerhin Glück, dass sie auf die Salzwedler Therapeutin Claudia Bommert traf, die einen Weg in Nickis Seele fand und auch die Persönlichkeiten in ihr ansprach, die den satanischen Weg weiter gehen wollten. Neben der mehr als zehnjährigen Therapie half Nicki der Film. Sie wollte nicht nur selbst endlich leben, sondern auch mit ihrer Geschichte an die schweigende Öffentlichkeit. Denn die Satanisten sind nicht viele, aber sie sind unter uns, gehen bürgerlichen Berufen nach und gehören nicht selten zu den gebildeten Kreisen und Honoratioren der Gemeinde. Und sie finden weitere Opfer.

Die Faszination des Satanismus lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Macht! Macht über Leben und Tod, über Schmerz und Lust, über das gesamte Denken und Fühlen der Opfer. In Bergen residiert seit Jahren die Thelema-Sekte, die mit Satanismus in Zusammenhang gebracht wird. Sexueller Missbrauch, körperliche und seelische Torturen aus ihrer Mitte sind schon gerichtlich verfolgt und Täter abgeurteilt worden. Die Ungläubigkeit der Gesellschaft ist der beste Schutz für die Täter, heißt es im Film. Nicht nur Ungläubigkeit, auch das verschämte „Wegsehen” macht die Mitmenschen zu Komplizen. Nicki hat den Absprung geschafft. Durch den Film und ihre öffentlichen Auftritte sind andere ermutigt worden, gegen ihre Peiniger aufzustehen. Vielleicht sogar irgendwann in Bergen.