Quelle: Nordwest-Zeitung vom 26.06.2003
Von Hans Drunkenmölle

Zwei Schwestern erstatten Anzeige-Ermittlungsbehörden tappen im Dunkeln.

Bei satanischen Ritualen soll es Mord, sexuellen Missbrauch und Leichenschändungen gegeben haben. Unklar ist, ob die Anzeigen einen realen Hintergrund haben.

Oldenburg-Ein mutmaßlicher Fall von Sexual-Satanismus beschäftigt Staatsanwaltschaft und Polizei in Oldenburg. Die Ermittlungsbehörden gehen Hinweisen von zwei Schwestern nach, die behaupten sie seien in ihrer Kindheit zur Teilnahme an „schwarzen Messen“ an Gräbern gezwungen und vergewaltigt worden. Eine der Frauen hat ausgesagt, sie habe als Minderjährige ein Kind geboren und sei gezwungen worden, dieses Baby bei einem Ritual zu töten; dabei habe ihre Schwester zuschauen müssen. Die Justiz ermittelt wegen Mordes; sie hat nach Angaben von Oberstaatsanwalt Gerhard Kayser bisher allerdings „noch keine objektiven Beweise“ für den Wahrheitsgehalt der Angaben, die sich auf bis zu 20 Jahre zurückliegende Ereignisse beziehen sollen. Die Schwestern, die im Oldenburger Land wohnen, aber keinen Kontakt miteinander pflegen, haben unabhängig voneinander bereits vor rund eineinhalb Jahren Anzeigen erstattet. Sonderermittlungsgruppen von Staatsanwaltschaft und Polizei ist es seither „trotz enormen Personalaufwandes“ nicht gelungen, Licht ins Dunkel des Falles zu bringen. Bei den Frauen handele es sich um „multiple Persönlichkeiten“, die teilweise auch in „Scheinwelten“ lebten. Von beiden gebe es „sehr lange Aussagen – zum Teil übereinstimmend, zum Teil widersprüchlich“.

Übereinstimmend haben beide Frauen von dem angeblichen Kindesmord berichtet. Inhaltlich identisch sind Angaben über einen großen Teilnehmerkreis bei „schwarzen Messen“, bei denen beide auf nackter Haut mit Blut beschmiert worden seien. Auch von „Leichenschändungen“ ist die Rede. Die mutmaßlichen Opfer konnten jedoch weder eine genaue Zeit noch Namen von Beteiligten nennen. Unklar ist darüber hinaus, inwieweit die Eltern der Mädchen eine aktive Rolle gespielt haben; der Vater ist mittlerweile bestorben. Die Staatsanwaltschaft will nicht ausschließen, dass es sich um reale Geschehnisse gehandelt hat: „Wir müssen das Unmögliche denken und für wahrscheinlich halten“, womöglich eingestellt werden, das wird Ende Juli entschieden.