Geschichte

von Nickis geschrieben 2019

Am Anfang stand die Lichtstrahlen-Zeitung

Unsere Idee für die Lichtstrahlen-Zeitung kam uns im Jahre 1998. Es gab schon andere Selbsthilfe-Zeitungen, aber in diesen Zeitungen konnte man nie ausdrücklich über Rituelle Gewalt schreiben, weil es andere antriggern könnte. Das hat uns immer sehr gestört, denn wir finden, dass es möglich sein muss, die Gewalt, die geschieht, auch zu benennen. Und so brachten wir im Jahr 1998 die Lichtstrahlen-Zeitung heraus.

Sie wurde gut angenommen. Alle zwei Monate haben wir Artikel, Bilder und Berichte eingesammelt, fotokopiert und per Post verschickt. Das war viel Arbeit und es wurden auch immer mehr AbonnentInnen. Irgendwann war es einfach zu viel Arbeit und gleichzeitig schrieben uns viele, nur alle zwei Monate eine Zeitung zu bekommen, sei ihnen zu wenig.

Vom Papier ins Internet

Also haben wir uns um das Jahr 2000 herum eine Website erstellen lassen. Nun gab es auch das Forum für den Austausch von Betroffenen untereinander und einen Chat, in dem man sich in Echtzeit unterhalten konnte. Unser Forum wurde sehr schnell und gut angenommen, so dass wir die Lichtstrahlen-Zeitung als sehr „langsames“ Medium einstellen konnten.

Zeitweise hatten wir über 300 Betroffene in unserem Forum. Auch der Chat wurde bei der Gründung rege genutzt – es gab aber Probleme. Dort hatten sich auch Menschen eingeloggt, die dort nichts zu suchen hatten und andere bedroht haben. Weil wir nicht Tag und Nacht im Chat sein konnten, um Betroffene zu schützen, haben wir den Chat wieder abgeschafft. Es war einfach nicht machbar.

Filme und der erste Selbsthilfe-Kongress

Im Jahr 2001 haben wir mit dem NDR unseren ersten Film „Höllenleben – Eine multiple Persönlichkeit auf Spurensuche“ gedreht. Dieser Film wurde auf verschiedenen WDR-Sendern gezeigt und wir haben unglaublich viele und positive Briefe bekommen. Mit diesem Film sind wir dann oft zu Vorführungen in Kinos, Unis, Frauenberatungsstellen usw. gefahren, was uns immer mehr Sicherheit gab, an die Öffentlichkeit zu gehen.

2005 haben wir dann gemeinsam mit Bessy Albrecht-Ross einen Selbsthilfe-Kongress („Multi-Kongress“) in Oldenburg organisiert, der auch sehr gut angenommen wurde. Dort wurde unser neuer Film, den Claudia Fischer mit anderen gemeinsam produziert hatte, der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser Film wurde auf eigene Kosten erstellt und nicht im Fernsehen gezeigt. Der Film heißt „Ein Körper mit System“ und beschreibt unseren Alltag als Mensch mit Dissoziativer Identitätsstruktur. Fünf Personen von uns haben mitgespielt: Nicki, Gina, Nele, Tony und Burghardt. Dieser Film wird noch heute sehr oft in Schulen, Tagungen usw. gezeigt. Wir haben ihn bis zur Auflösung des Vereins verkauft. Es gibt ihn nicht im Internet, und wir wünschen uns, dass das so bleibt. 

Vereinsgründung 2010

Wir haben uns immer gewünscht, einen Verein zu gründen, denn dadurch erhofften wir uns, dass wir Spenden einnehmen können und unsere Aktivitäten für die Vernetzung von Betroffenen nicht immer über unser Privatkonto laufen müssen. Den Verein „Lichtstrahlen Oldenburg e.V.“ haben wir im Jahr 2010 gegründet und seit dieser Zeit können wir Spendenbescheinigung ausstellen und viele andere Sachen machen, die uns als Privatperson nicht möglich wären. (Update 2025: Der Verein ist inzwischen aufgelöst und nimmt keine Spenden mehr an.)

Die zweite Tagung wurde 2012 in Oldenburg von Betroffenen vorbereitet und durchgeführt. Auch diese Tagung („DIS-kurs“) wurde gut angenommen, sowohl von Betroffenen als auch von Helfer.innen und Therapeut.innen.

Wir machen weiterhin viel Öffentlichkeitsarbeit, weil wir möchten, dass die Diagnose „DIS“ in allen Bereichen noch mehr anerkannt wird. Und dass es den Betroffenen heute leichter gemacht wird als uns damals, als wir diese Diagnose bekamen.

Im Mai 2017 ging unser Vereinsprojekt „Infoportal Rituelle Gewalt“ online, das wir gemeinsam mit der Emanuelstiftung in Bonn und dem Verein „Mosaik gegen Gewalt e.V.“ in Bielefeld betreiben.

Unser dritter Selbsthilfe-Kongress „Wir nehmen das Leben in die eigene Hand“ im April 2018 war ein voller Erfolg. Die Rückmeldungen war alle sehr positiv. Vor allem die langen Pausen, wo man sich untereinander kennenlernen oder austauschen konnte, fanden alle Teilnehmer.innen sehr gut. 

Seit Februar 2019 sind wir Mitglied in der Präventionskommission des Landes Niedersachsen, einberufen vom Landesjustizministerium.

Und Anfang 2019 haben wir diese neue, responsive Webseite aufgesetzt. Das heißt, dass die Texte auch gut auf dem Handy oder einem Tablet zu lesen sind, nicht nur am Computer. Das war viel Arbeit, aber wir hoffen, sie wird gut angenommen. Schließlich wollen wir unsere Informationen auch verbreiten, deshalb war es wichtig, auch eine gut bedienbare Webseite zu haben.

Nickis

Vereinsauflösung 2025

von Claudia Fischer

Diesen Text zu lesen, macht sehr wehmütig. Die Nickis haben enorm viel Arbeit und auch Hoffnung in diesen Verein gesteckt. Im Winter 2023 sind sie verstorben.

Die Mitglieder des Vereins Lichtstrahlen Oldenburg haben sich mehrfach getroffen und überlegt, wie es nach ihrem Tod weitergehen kann. Wir haben keine Möglichkeit gesehen, die Arbeit der Nickis fortzusetzen. Und es gab auch starke Stimmen, die sagten, dass es richtig ist, dass die Vereinsarbeit mit dem Tod der Nickis endet. Es gibt heute neue Formen der Vernetzung für Betroffene, neue Akteurinnen und Akteure, neue Stimmen und Gesichter, die ihren eigenen Weg finden und gehen. Also haben wir uns schweren Herzens entschlossen, den Verein aufzulösen. Das Forum wurde nach einer angemessenen Zeit geschlossen und unsere Selbsthilfegruppe hat sich ein neues Zuhause gesucht. Wir wünschen allen viel Glück!

Claudia Fischer, Liquidatorin des Vereins